Die Kunst der Selbstdisziplin: Versuchungen widerstehen und produktive Gewohnheiten entwickeln

„Martin, ich bewundere deine Selbstdisziplin. Du zieht einfach alles knallhart durch, was du dir vornimmst. 60 Tage Saftfasten, da hätte ich nicht mal eine Woche geschafft. Und dann morgens immer das Eisbaden, krass. Selbst abends um zehn hast du noch jede Menge Power. Wie machst du das?“ Sowas habe ich schon öfter zu hören bekommen. Erst mal das Wichtigste: Selbstdisziplin ist lernbar. Es ist nichts, wofür du andere beneiden musst. Auch du kannst daran arbeiten. Wie du zu mehr Selbstdisziplin gelangst und welche Übungen dabei helfen, beleuchte ich in diesem Beitrag.

Was ist Selbstdisziplin überhaupt?

Um es zu Beginn einmal klar auf den Punkt zu bringen: Selbstdisziplin ist die Fähigkeit, sich selbst zu kontrollieren, sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren – und auch Verzicht zu üben, um diese Ziele zu erreichen. Es geht darum, Versuchungen und Ablenkungen zu widerstehen, impulsives Verhalten einzuschränken und sich auf seine To-Dos zu konzentrieren, auch wenn sie unangenehm oder herausfordernd sind. Selbstdisziplin bedeutet, bewusste Entscheidungen zu treffen, um langfristigen Erfolg und Wachstum zu erzielen – beruflich wie privat.

In meinen Augen ist Selbstdisziplin eine extrem wichtige Eigenschaft. Nicht nur als Unternehmer oder Verkäufer, sondern als Mensch ganz allgemein. Sie hilft dir dabei, das Beste aus deinem Leben zu machen, schlechte Gewohnheiten zu überwinden, deine Produktivität zu steigern und insgesamt deine Zeit und Energie so effektiv wie möglich zu nutzen.

Mein Weg zu mehr Selbstdisziplin

Zugegeben, in jungen Jahren war es bei mir mit der Selbstdisziplin noch nicht so weit her. Zumindest nicht, wenn es um Schule, Hausaufgaben und Co. ging. Da ließ ich mich zu gerne von anderen Dingen ablenken. Wahrscheinlich, weil ich damals einfach kein Ziel mit diesen Themen verknüpfen konnte. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ich ein Jahr in den USA verbrachte. Ich kam zu einer Gastfamilie nach New Jersey und ging dort zur High School. Und zum ersten Mal bekam ich positives Feedback! Die Vertrauenslehrerin bot mir an, eine Klasse zu überspringen und ganz regulär den High School Abschluss zu machen – weil meine ersten Tests hervorragend gewesen waren. Wow! Das hat mich nicht nur enorm beflügelt, sondern damit hatte ich auch ein Ziel vor Augen.

Nebenbei lernte ich, dass Leistung belohnt wird: Über meinen Soccer-Coach Kenny kam ich an jede Menge Jobs. Rasenmähen, Zäune bauen, Schnee schippen – ich machte alles. Klar hätte ich währenddessen auch auf der faulen Haut liegen oder mit den anderen Kids in die Mall oder ins Kino gehen können. Doch ich entschied mich, mich abzurackern. Hatte wahnsinnig Spaß dabei. Und habe so meine ersten tausend Dollar verdient. Dieses Mindset nahm ich dann auch zurück mit nach Deutschland. Dort hatte ich das Glück, nach einer eher suboptimalen Erfahrung dann im zweiten Anlauf an einen tollen Chef zu geraten, der mir ebenfalls Selbstdisziplin eingetrichtert hat.

Das war Holger, der Chef des Unternehmens, in dem ich meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann beendete. Er war ein echter Macher, und das hat mich als junger Kerl wirklich beeindruckt. Beim Einräumen der Regale stand er manchmal hinter mir und flüsterte mir etwas zu: „Herr Limbeck. Sie wissen ja: beständig! Beständig Leistung! Richtig?“ Rückblickend war diese Begegnung enorm wertvoll für mein weiteres Leben. Er hat mir vorgelebt, was mich seitdem prägt: Beständig Leistung erbringen, immer weitermachen und dranbleiben. So kommst du voran – und dem Erfolg jeden Tag ein Stück näher.

Ganz oder gar nicht? Selbstdisziplin erfordert Konsequenz

Dieses Mindset hat mich dann auch weiter begleitet, als ich im Vertrieb durchgestartet bin. Für mich war klar: Keine Ablenkungen, sondern voller Fokus aufs Ziel. Während meine Kollegen morgens erst mal im Büro Kaffeeklatsch veranstaltet haben, hing ich bereits am Hörer, um Termine zu machen. Doch dafür gab es auch andere Bereiche, in denen ich nur zu gerne Ausreden gefunden oder mich habe ablenken lassen.

Damals habe ich geraucht wie ein Schlot. Und Sport war bei mir viele Jahre immer so ein „ganz oder gar nicht“-Thema. Manchmal hatte ich Phasen, wo meine Selbstdisziplin gut war. Ich mehrmals die Woche laufen war und Boxtraining absolviert habe. Und dann kam nach einigen Monaten oder einem Jahr wieder ein Durchhänger. Obwohl ich den Erfolg auf der Waage und im Spiegel sehen konnte, ließ die Aktivität wieder nach. Ihr wisst, wie das läuft. Keine Zeit, zu viel zu tun, Termine, ständig unterwegs. Wenn dann noch zur Belohnung der Wein am Abend und das leckere Steak mit Pommes dazukommen und du nicht nein sagen kannst, war es das dann bald wieder mit der Fitness.

Ihr fragt euch, was ihr tun könnt, um diesen Kreislauf zu durchbrechen? Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr langfristig abnehmen und gesünder leben oder in eurem Job richtig durchstarten wollt. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass Selbstdisziplin klaren Regeln folgt – und dass wir mit unserem Denken und unserer Einstellung entscheidenden Einfluss darauf haben, ob wir unsere Ziele erreichen oder nicht. Konkret helfen euch dabei die folgenden fünf Schritte.

In fünf Schritten zu mehr Selbstdisziplin

Schritt 1: Setze dir klare Ziele

Was möchtest du konkret erreichen? Wichtig ist, dass dein Ziel konkret, realistisch und messbar ist und du auch einen Zeitrahmen abgesteckt hast. Ihr wisst schon, die gute alte SMART-Formel. Es macht einen großen Unterschied, ob du sagst: „Ich will dieses Jahr endlich mehr Umsatz machen!“ oder „In den nächsten zwölf Monaten möchte ich den Umsatz meines Unternehmens um 15 Prozent steigern!“ Nur, wenn du das Ziel klar vor Augen hast, kannst du deine Selbstdisziplin darauf ausrichten.

Schritt 2: Erstelle einen Plan

Du brauchst einen detaillierten Plan, der dich auf dem Weg zu deinen Zielen unterstützt. Sei es ein Trainingsplan, in dem du konkret festhältst, an welchen Tagen du wie lange joggen gehst oder welche Übungen absolvierst. Oder wie viele Kunden du im Laufe einer Woche kontaktieren wirst. So hangelst du dich von Tag zu Tag – und das ist wesentlich überschaubarer, als wenn du den ganzen Weg siehst, der noch vor dir liegt. Ein gut durchdachter Plan kann dir auch helfen, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Ablenkungen zu minimieren. Hierzu möchte ich dir gerne den von mir entwickelten High Performance Planer ans Herz legen, den ich selbst täglich nutze, um meine To-Dos im Blick zu haben und meine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Schritt 3: Identifiziere Hindernisse und Lösungen

Sei ehrlich zu dir selbst und setze dich damit auseinander, welche Hindernisse oder Versuchungen deine Selbstdisziplin beeinträchtigen könnten. Gibt es bestimmte Gewohnheiten, die deinem Ziel nicht zuträglich sind? Zum Beispiel der tägliche Coffee-to-go mit belegtem Brötchen auf dem Weg zur Arbeit. Die Tüte Chips zum Fernsehen. Oder die Tatsache, dass du das Fahrrad erst aus dem Keller holen müsstest – und deswegen doch mit dem Auto fährst. Du weißt, womit du dir selbst im Weg stehst? Jetzt brauchst du nur noch die passenden Strategien, um diese Hindernisse zu überwinden. Nimm einen anderen Weg zur Arbeit. Bitte deine Kollegen, eine geschlossene Türe zu respektieren und dich nicht immer aus deinem Workflow rauszureißen. Stell die Joggingschuhe direkt ans Bett. Und so weiter. 

Schritt 4: Übe bewusste Selbstkontrolle

Selbstdisziplin erfordert bewusste Selbstkontrolle. Achte daher auf deine Gedanken, Gefühle und Impulse, die dich möglicherweise von deinen Zielen abbringen wollen. Du weißt schon, die kleine Stimme in deinem Kopf, die dir einredet: „Schau nur mal kurz bei Instagram rein …“, „Jetzt noch kochen ist zu anstrengend, bestell lieber eine Pizza“ oder „Um die Uhrzeit erreichst du eh niemanden, mach die Akquise nächste Woche …“ Wichtig ist, dass du lernst, in solchen Momenten nicht einzuknicken, sondern deine Aufmerksamkeit bewusst wieder auf dein Ziel zu lenken. Aus meiner Erfahrung ist es sehr hilfreich, eigene Rituale zu finden, mit denen du dich gewissermaßen programmierst und so der möglichen Ablenkung gar nicht erst die Chance bietest, sich einzuschleichen. Ein Beispiel dafür ist meine Morgenroutine, die ich hier zusammengefasst habe.

Schritt 5: Belohne dich selbst

Belohne dich selbst, wenn du deine Ziele oder einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg dorthin erreichst. Die Belohnungen sollten mit deinen Zielen im Einklang stehen und dich weiterhin motivieren. Sie dienen als Anreiz, um deine Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten. Beispielsweise ein paar neue Laufschuhe, die Fitnessuhr, mit der du schon länger geliebäugelt hast, ein schöner Ausflug … Wichtig ist nur, dass du dich nicht mit ungesunden Gewohnheiten belohnst, um deinen Fortschritt nicht direkt wieder zu beeinträchtigen.

Übung macht den Meister: die 10.000-Stunden-Regel

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Selbstdisziplin Zeit und Übung erfordert. Wichtig ist, dass du geduldig bist, nicht direkt Wunder erwartest – und dranbleibst. Hast du schon von der 10.000-Stunden-Regel gehört? Sie geht zurück auf den US-Psychologen Anders Ericsson, der in den 90er-Jahren die Lebensläufe von Studenten einer Musikakademie verglich und feststellte, dass die Besten jedes Jahrgangs seit frühester Kindheit mehr Übungsstunden absolviert hatten als ihre durchschnittlich performenden Kommilitonen. Mit anderen Worten: Übung macht den Meister. Und das geht nur mit Selbstdisziplin. Jemand, der das Prinzip in meinen Augen absolut verinnerlicht hat, ist Cristiano Ronaldo. Er hat von klein auf wie besessen trainiert, bei jedem Wetter. Auch als Profi ist er nicht derjenige, der an einem spielfreien Tag mal eben nach Paris zur Fashion Week jettet – sondern stattdessen in seinem Fitnessraum arbeitet. Das ist für mich absolute Selbstdisziplin. Klar hat der Mann auch Talent, keine Frage. Doch Talent wird dich niemals so weit bringen wie Talent in Kombination mit Willen, hartem Training und Selbstdisziplin.

Drei Übungen, mit denen du deine Selbstdisziplin ausbaust

Die 10-Minuten-Regel:

Du hast keine Lust, zu akquirieren, ein Angebot zu schreiben oder Sport zu machen? Verpflichte dich dazu, diese Aufgabe oder Aktivität mindestens 10 Minuten dennoch zu machen. Du wirst merken: Oft ist es der schwerste Teil, überhaupt anzufangen. Indem du dich für nur 10 Minuten verpflichtest, trickst du deinen inneren Schweinehund aus und senkst die mentale Hürde. Und nach den 10 Minuten bist du meist schon so im Flow, dass du einfach weitermachst.

Die Verzögerungstaktik:

Am Ende des Tages hast du das Gefühl, nichts geschafft zu haben? Dringende To-Dos sind liegengeblieben, weil du stattdessen Zeit in den Social Media verdaddelt oder im Netz gesurft hast? Dann hilft dir die Verzögerungstaktik. Wenn du Lust hast, etwas zu tun, was für deine Ziele jedoch kontraproduktiv ist, verschiebst du es bewusst um eine bestimmte Zeitperiode. Zum Beispiel sagst du dir: „Ich werde mein Smartphone jetzt für zwei Stunden auf Flugmodus stellen und mich diesem Angebot widmen.“ Mit der Zeit stärkst du so deine Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen, und baust mehr Selbstdisziplin auf.

Die Visualisierungstechnik:

Wie der Name schon sagt, geht es bei dieser Übung um die bewusste Visualisierung deiner Ziele und des damit verbundenen Erfolgs. Schließe die Augen und stelle dir lebhaft vor, wie du dein Ziel erreichst und wie es sich anfühlt, erfolgreich zu sein. Visualisiere dabei die Herausforderungen, die auftreten können und stell dir vor, wie du sie dank deiner Selbstdisziplin und durch dein Durchhaltevermögen überwindest. Diese Technik hilft dir dabei, deine Motivation zu stärken und fokussiert zu bleiben.

Was tut ihr, um am Ball zu bleiben? Gibt es weitere Übungen, die euch dabei helfen, Gas zu geben und eure Selbstdisziplin zu steigern? Ich freue mich auf den Austausch mit euch in den Kommentaren!

Euer Martin

Allgemeine Fragen zum Thema Selbstdisziplin: 

Was genau ist Selbstdisziplin?

Selbstdisziplin bedeutet, dass du dich selbst und deine Handlungen immer mit Blick auf deine Ziele unter Kontrolle hast. Du verfolgst konsequent von dir entwickelte Pläne und arbeitest fokussiert an Aufgaben, die dich deinem Ziel näherbringen. Je höher deine Selbstdisziplin ist, umso leichter fällt es dir, Ablenkungen zu widerstehen.

Warum ist Selbstdisziplin wichtig?

Selbstdisziplin hilft dir dabei, deine Ziele besser zu erreichen. Je disziplinierter du bist, umso leichter fällt es dir, an Aufgaben dranzubleiben und klare Strukturen zu schaffen, die zur Steigerung deiner Produktivität beitragen und dich Schritt für Schritt deinen Zielen näherbringen.

Kann man Selbstdisziplin lernen?

Ja, denn Selbstdisziplin ist in erster Linie eine Frage des Trainings. Es gibt zahlreiche Methoden, die dich dabei unterstützen, diszipliniert bei der Sache zu bleiben.

Warum habe ich so wenig Selbstdisziplin?

Du ertappst dich dabei, ständig Dinge auf später zu verschieben und deine Zeit stattdessen mit angenehmen Sachen zu verbringen? Unterbewusst ist oftmals Angst die Ursache dafür. Angst zu Scheitern, eine Aufgabe nicht meistern zu können. Doch stattdessen in die Vermeidung zu gehen, wird die Situation weder lösen noch besser machen.

Wie trainiere ich Selbstdisziplin?

Die gute Nachricht: Selbstdisziplin lässt sich trainieren. Entscheidend ist, dass du dir bewusst wirst, was du erreichen willst. Lege dir ein Ziel fest, das konkret, realistisch, messbar und zeitlich definiert ist – und mache dir einen Plan mit kleinen Schritten, die dich zu deinem Ziel bringen. Entscheidend ist, dass du aus eigenem Antrieb handelst.

 

 

 

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