Wochenend-Feiertage nachholen? Dodoland, dir geht’s zu gut!

„Falls eure Laune noch nicht schlecht genug ist, der 1. Mai fällt dieses Jahr auf einen Sonntag.“ Diesen Spruch habe ich zufällig beim Durchscrollen meines Facebook-Feeds gesehen – und mir erst mal nicht viel dabei gedacht. Halt wieder irgendwer mit Dodo-Denke, der sich um einen seiner Feiertage betrogen fühlt, weil der Sonntag ja sowieso arbeitsfrei ist.

Was für mich dann allerdings das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war ein Zeitungsbeitrag mit der Headline: „Politiker wollen Feiertage an Sonntagen nachholen.“ Um ehrlich zu sein, habe ich kurz überlegt, ob ich mich verlesen habe. Oder ob das ein verspäteter Aprilscherz sein sollte. Nein, die meinen das tatsächlich ernst!

Deutschland ist bereits Feiertag-Spitzenreiter

Konkret äußerte sich Jan Korte, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, gegenüber der Presse, dass es nötig sei, dass sich die Politik dafür starkmache, dass künftig keine Feiertage mehr ausfallen und so der soziale Zusammenhalt im Land gestärkt werde. Und das ist noch nicht alles! Korte legte sogar noch eine Schippe drauf und forderte, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern als „Ersatz und Corona-Bonus“ doch bitte zeitnah einen zusätzlichen arbeitsfreien Tag geben sollten, bis das Thema gesetzgeberisch geregelt sei. Ich frage mich ernsthaft, was der genommen hat.

Eines der Hauptargumente: In vielen anderen Ländern sei es längst üblich, Feiertage nachzuholen, wenn sie kalendarisch bedingt auf das Wochenende fallen. Keine Frage, diese Praktik gibt es unter anderem in Belgien, Spanien und Großbritannien, in der Regel ist dann der darauffolgende Werktag für Arbeitnehmer frei. Was dabei jedoch charmant unter den Teppich gekehrt wird: Es ist keinesfalls so, dass wir armen Deutschen zu wenig Feiertage hätten. Deutschland weist innerhalb der EU die kürzeste Jahresarbeitszeit auf und hat gleichzeitig gemeinsam mit Dänemark die meisten Feiertage. Die eben genannten Länder wie Belgien und Co. kommen selbst mit dem Nachholen der Wochenend-Feiertage nicht auf diesen Wert. Nur, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Feiertage: Wen interessiert der Sinn? Hauptsache frei!

Ich weiß nicht, wie ihr das seht. Doch für mich geht eine solche Forderung vollkommen an der unternehmerischen Lebenswirklichkeit vorbei. Die Arbeit muss trotzdem gemacht werden. Das ist wieder mal so eine klassische Dodo-Denke. Hauptsache frei haben, alles andere ist egal. Doch woher soll jemand wie Korte darauf auch kommen? Wenn ich mir seinen Werdegang anschaue, ist für mich alles klar: Abitur, Zivildienst, dann Politik-Studium – und im Anschluss direkt in den Bundestag. Keine Frage, er hat sich dort verdient gemacht, war Leiter diverser Arbeitskreise, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und jetzt eben 1. Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Alles gut und schön – doch wo ist dieser Mann mal mit dem echten Leben in Kontakt gekommen? Unsere Wirtschaftspolitik wird zum Großteil von Menschen bestimmt, die noch nie ein Unternehmen geführt haben, geschweige denn überhaupt mal außerhalb ihrer politischen Dunstkreise gearbeitet haben. Und das muss sich aus meiner Sicht dringend ändern, wenn wir den Turnaround noch schaffen und unser Land wieder international vorzeigbar machen wollen.

Und verlieren Feiertage nicht auch ihren Sinn, wenn sie beliebig nachgefeiert werden können? Der 1. Januar war in diesem Jahr an einem Samstag. Doch das ist nun mal der Beginn des Jahres. Oder was ist mit Weihnachten? Der 24.12. fällt rein rechnerisch auch mal auf Samstag oder Sonntag. Ein „Nachholen“ am folgenden Montag erscheint mir arg an den Haaren herbeigezogen. Was kommt dann als nächstes? Werden Sommerferien nachgeholt, weil es geregnet hat? Ich finde, irgendwann ist auch mal gut.

Mal abgesehen davon, dass ich mir eh nicht viel aus Feiertagen mache. Denn Unternehmer bin ich immer, nicht nur wochentags von acht bis fünf Uhr. Ich arbeite, weil ich Spaß an meinem Job habe. Weil ich meine Kunden begeistern will. Da ist es für mich zweitrangig, welchen Wochentag oder welches Datum der Kalender anzeigt und ob es möglicherweise schon mitten in der Nacht ist.

Feiertage nachfeiern – Wie seht ihr das? Ich freue mich auf den Austausch mit euch in den Kommentaren!

Euer Martin

 

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Rico Koschewski
    27. April 2022 12:36

    Vor 100 Jahren hielt man die 5 Tage Woche für undenkbar, den 8h Tag für den wirtschaftlichen Untergang. In Italien haben die Menschen deutlich mehr Urlaub, in vielen Ländern werden Feiertage nachgeholt. Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist es die Kernaufgabe der Führungsverantwortung, den Führungsstil zu überdenken weg von rein quantitativer Anwesenheit hin zu Effizienz und Prozessoptimierung, sowie dem Zugeständnis, dass Zeit das kostbarste im Leben aller Menschen ist. Heutzutage unter Work-Life-Balance bekannt.

    Antworten
  • Michael T. Franken
    27. April 2022 18:08

    Hallo Martin,

    was hast Du dem Korte für seine Äußerung gezahlt? Es scheint, als wolle er Dein Buch zusätzlich bewerben! 😉

    Aus meiner Sicht ist es kaum noch zu ertragen, in welche Richtung sich unsere politische Elite entwickelt. Natürlich bekommt jede Geselschaft die Regierung, die sie verdient (oder wählt). Allerdings sorge ich mich um unser aller Wohl, wenn in „Kriegszeiten“ (oder zumindest „Krisenzeiten“) derart weltfremde und teils zynische Forderungen gestellt werden!

    Uns geht es wirklich zu gut! Schlimm nur, dass viele diesen Wohlstand als selbstverständlich erachten und jede Demut verloren haben. … und ich hoffe, dass wir nicht erst bei einer existentiellen Gefährdung zu unseren Tugenden zurückfinden.

    Somit freue ich mich auf Dein Buch und Deine Ideen, wie Du Deutschland wachrütteln willst! 😉

    Antworten
    • Martin Limbeck
      17. Mai 2022 12:54

      Hallo Michael, danke für dein Feedback! Der Wahnsinn, oder? Als ich das gelesen habe, bin ich echt vom Glauben abgefallen. Hier muss sich dringend was ändern – und Vater Staat sollte sich endlich mal auf das konzentrieren, wo es wirklich drauf ankommt.

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