Unternehmer sind alle Verbrecher? Mit dieser Denke muss endlich Schluss sein!

Was unterscheidet den Unternehmer vom Angestellten? Unternehmertum hat für mich in erster Linie etwas mit Mut und Wagnis zu tun. Denn wenn du Geld in die Hand nimmst und eine Geschäftsidee entwickelst, kannst du dir nie zu hundert Prozent sicher sein, ob dein Plan am Ende aufgeht. Und dabei ist es dein eigenes Risiko – und deine Kohle! Ein Konzept, das aus der Sicht unseres Staates anscheinend nicht bewundernswert, sondern vielmehr in hohem Maße verdächtig ist. Was die „Tatort“-Krimis damit zu tun haben und wieso sich diese Wahrnehmung aus meiner Sicht dringend ändern muss? Darum dreht sich dieser Beitrag.

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner!

Habt ihr schon mal drauf geachtet, wer im Tatort der Mörder ist? Also nicht nur, wer es war – sondern auch, welchen Beruf der Täter oder die Täterin hat? Ich bin immer davon ausgegangen, dass es meistens diese typischen Charaktere sind. Ihr wisst schon, der zwielichtige Typ, der bereits einiges auf dem Kerbholz hat. Durch Zufall bin ich jetzt über eine Untersuchung der Statista zu genau diesem Thema gestolpert. Sie haben alle Tatort-Folgen von 1970 bis heute analysiert. Und das Ergebnis hat mich echt vom Hocker gehauen: Noch vor Berufskriminellen ist die Berufsgruppe der Unternehmer und Manager mit 109 Fällen am häufigsten vertreten! Und das in einer Krimireihe, die als „besonders wirklichkeitsnahes Abbild der Gesellschaft“ gilt.

Andererseits ist das gar nicht so weit hergeholt, wenn ich so meine eigenen Erfahrungen der letzten Jahre summiere. Auch von den Mitgliedern meiner Unternehmer-Mastermind Gipfelstürmer habe ich schon die ein oder andere ähnliche Geschichte gehört. Mal Hand aufs Herz: Wie reagieren Menschen darauf, wenn du ihnen erzählst, dass du selbstständig bist? In den USA ist es mir schon öfter passiert, dass mir mein Gegenüber dann anerkennend auf die Schulter gehauen hat und sowas wie „Well done, man!“ sagte. Doch in Deutschland? Da wirst du eher angeschaut als hättest du eine ansteckende Krankheit und wirst entsprechend skeptisch beäugt. Frei nach dem Motto: „Der reiche Kerl muss doch Dreck am Stecken haben. Wie kann das sonst sein, dass er ein Vielfaches von mir verdient?“

Sind Unternehmer weniger vertrauenswürdig?

Mein Eindruck: Du bekommst als Unternehmer immer nur Steine in den Weg gelegt, egal worum es geht. Ein Bekannter von mir ist gerade auf der Suche nach einem neuen Haus – und hat es immer wieder mit Eigentümern zu tun, die nicht verstehen wollen, dass es auch Menschen gibt, die keinen monatlichen Lohnzettel vorzeigen können. Und anscheinend noch nie in ihrem Leben eine Einnahmen-Überschussrechnung, einen Jahresabschluss oder sonst was gesehen haben. Diese vernagelte Denke kann ich absolut nicht nachvollziehen. Selbst ein unbefristeter Arbeitsvertrag kann im nächsten Monat aus betrieblichen Gründen plötzlich aufgehoben werden. Die Annahme, dass eine Festanstellung mehr finanzielle Sicherheit mit sich bringt, ist ein echter Trugschluss.

Doch diese Denke zieht sich durch viele Bereiche unserer Gesellschaft. Vor zwei Jahren habe ich ein weiteres Unternehmen gegründet und brauchte dafür eine Firmenflotte. Für mich war klar: Ich setze auf Hybrid-Fahrzeuge. Mein Weg führte mich also zur Bank, um eine Finanzierung zu vereinbaren. Was passierte? Wenn ich nicht zu 100 Prozent mit meinem privaten Vermögen für den Kredit gebürgt hätte, hätten die mir die Autos nicht finanziert. Völlig egal, wie gut meine Bonität ist und wie gut das Business läuft. Banken sind längst nicht mehr dein Partner, wenn du Unternehmer bist. Vielmehr sind sie Geldverteilungsbehörden, die eines überhaupt nicht ausstehen können: Risiko. Wie willst du es da als angehender Unternehmer heute überhaupt noch schaffen, dir was aufzubauen? Da wundert es mich ehrlich gesagt nicht, dass immer mehr Gründungswillige Deutschland den Rücken kehren oder ihre Träume desillusioniert aufgeben.

Während die Banken dir kein Geld leihen wollen, gibt es noch eine andere Institution, die ganz scharf darauf ist zu überprüfen, ob du dein Einkommen auch ja ehrlich verdienst. Unser Finanzsystem verwechselt Unternehmertum nur zu gerne mit organisierter Kriminalität, habe ich den Eindruck. Entweder haben die alle zu viel Tatort geschaut – oder befinden sich einfach in einer völlig anderen Lebenswirklichkeit. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich schon mehrfach in den Genuss einer umfassenden Steuerprüfung gekommen bin. Es geht mir auch gar nicht um die Prüfung an sich. Sondern vielmehr um die Art und Weise, wie diese Leute, die ich mit meinen Steuergeldern finanziere, mit mir umgehen.

Als Unternehmer stehst du unter Generalverdacht

Als ich Ende 2016 nach Wesel an den Niederrhein gezogen bin, habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Zugegeben, das Haus war nicht so ganz mein Stil. Ein Kiesmagnat hatte sich dort architektonisch ausgetobt, mit Whirlpool und allem, was dazu gehört. Ich wollte mir hingegen mein persönliches Paradies schaffen, zum Leben und Arbeiten. Also habe ich das Haus entkernt und alles nach meinen Vorstellungen geändert. Ich weiß, ein Neubau ist günstiger. Doch irgendwie gefiel mir der Altbau auch – und ich wollte ja schließlich sofort dort leben und nicht erst noch zwei Jahre warten, bis ein Neubau fertig wäre.

Irgendwann war alles schick – und was kam dann? Ein Brief des Finanzamtes Wesel. Darin stand nicht etwa: „Wir freuen uns, dass Sie sich für Wesel als Wirtschaftsstandort entschieden haben und uns mit Ihren Steuergeldern unterstützen. Vielen Dank und herzlich willkommen!“ Nein. Dort wurde mir eine Steuerprüfung angekündigt. Und zwischen den Zeilen klang sehr deutlich mit: „Glaub ja nicht, dass wir dich nicht drankriegen!“

Erst kam eine Dame, die zwei Wochen lang bei mir im Büro saß und sich durch meine gesamte Buchhaltung arbeitete. Alles fein, schließlich sollte es noch ein Abschlussgespräch mit ihrem Chef, mir und meinem Steuerberater geben. Natürlich hatte ich nichts dagegen, ich bin ja kooperativ und habe auch nichts zu verbergen. Unangemeldet kam dann noch ein Chef-Kontrolletti mit, der sich später als Baugutachter herausstellte. Und womit begrüßte er mich an der Tür? „Ich hatte heute Morgen beim Aufstehen überlegt, ob ich meine Pantoffeln mitbringe. Weil Sie wahrscheinlich goldene Böden haben.“

Sollte das witzig sein? Zum Glück bin ich nicht auf den Mund gefallen und erwiderte: „Nein, ich mag kein Gold, ich stehe auf Silber und Platin.“ Ich finde es echt eine Frechheit, so einem Menschen, den du noch gar nicht kennst, gegenüberzutreten. Und ihm quasi unter die Nase zu binden, dass du ihn für einen Betrüger hältst, der mit unnützem Luxus seine Geldwäsche verbergen will. Tja, was soll ich sagen: Gefunden haben sie nichts. Weil es nichts zu finden gab. Ich habe alles sauber deklariert, bis zum letzten Meter Telefonkabel.

Den Staat als Partner, nicht als Gegner

Warum sind die Finanzämter nicht einfach Partner der Wirtschaft mit dem gemeinsamen Ziel, die Leistungen in der Gesellschaft für alle zu vermehren? Und nicht nur die Finanzämter, sondern der Staat generell? Das will mir echt nicht in den Kopf. Wahrscheinlich, weil unser Staat einfach kein Fan von Mut und Risiko ist. Schließlich könnte ja was schiefgehen und dann fehlt plötzlich Geld, was schon fest für irgendeinen Blödsinn eingeplant war. Doch ohne unternehmerischen Mut wären wir heute nicht da, wo wir sind. Es gäbe wahrscheinlich keine Smartphones, keine PCs und auch viele andere Dinge nicht.

Für mich steht fest: Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als Unternehmer zu sein. Ich möchte meine Ideen in die Tat umsetzen, anstatt mich immer nur im Kreis zu drehen und „alles wie immer“ zu machen. Und ich wünsche mir, dass wir es schaffen, dass Mut in dieser Gesellschaft irgendwann wieder belohnt statt vom Staat bestraft und reglementiert wird.

Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Antworten in den Kommentaren!

Euer Martin

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Jürgen Franz
    31. Mai 2022 17:27

    Lieber Herr Limbeck,

    Sie haben völlig recht. Die Unternehmer wurden in den letzten Jahren immer mehr zum Feindbild erklärt. Keine Differenzierung. Die Idee von der Umverteilung von „oben“ nach „unten“ ist mittlerweile gesellschaftsfähig. Die Werte und Tugenden unserer Väter, die die Bundesrepublik nach dem Krieg zu einem der reichsten und attraktivsten Land der Erde gemacht haben, werden verlacht und ins Gegenteil verkehrt. Noch weiß ich nicht genau, wie, aber, wir müssen gegensteuern. Sonst sehe ich schwarz…

    Antworten
  • Hallo Martin Limbeck,

    Zuerst einmal: Heute wurde mir das Buch „Dodoland“ geliefert. Ich freue mich darauf, werde jedoch nach meinem 14 Stunden-Arbeitstag nicht damit beginnen, sondern den Abend mit der Familie ausklingen lassen.

    Die Beiträge, auch auf Social-Media treffen es meist auf den Punkt. Bänker sind für mich tatsächlich „eines der größten Probleme“ der Gesellschaft. Allesamt zu Geiern geworden.
    Sie nehmen alles mit, was irgendwie einen Euro an Einnahmen bringt.

    Ein Unternehmer wird tatsächlich schlechter behandelt, als ein Empfänger von Sozialleistungen.
    Wie kann es sein, so geht es weiter, dass 72 jährige ohne Sicherheiten einen Kredit über 30.000 Euro ohne Sicherheiten erhalten, wenn statistisch betrachtet das Lebensendalter bei etwa 83 Jahren liegt und das Darlehen auf 15 Jahre Laufzeit ausgelegt ist.
    Als Nachweis einer „Sicherheit“ genügt der Rentenbescheid.

    Unternehmer werden „gebeutelt“ und ausgenommen wie und wo es nur geht.
    Als Unternehmer möchte man mal für 3-6 Monate etwas Zeit finanziell überbrücken und fragt 15.000 Euro an – keine Chance, wobei die Rückzahlung in dem o.g. Zeitraum erfolgen würde.

    Der Staat, das Finanzamt ist ein Thema – viel schlimmer sind die Banken und Sparkassen, die sich als beauftragter Partner für die Region in Sachen Finanzierung / Darlehen betrachten.

    Selbst bei solchen Summen ( 15.000 Euro ) bist Du als Unternehmer mit 5 Mitarbeitern der Dumme, und das im Alter von 45 Jahren und mit 22 Jahren Erfahrung in dem Job.

    Jemand der rund 30 Jahre älter ist, könnte die doppelte Summe erhalten, wo die Rückzahlung über 15 Jahre eigentlich mit einem höheren Risiko bewertet werden müsste, als bei einem Unternehmer, der eine Überbrückung zu „normalen Konditionen“ für wenige Monate bräuchte.

    Ja, das ist Deutschland. Das ist das Land der Dichter und Denker. Jedoch wurde in vielen Bereichen der Republik das Denken aufgegeben.

    Sven

    Antworten
    • Martin Limbeck
      8. Juni 2022 14:31

      Danke für diesen ausführlichen Kommentar. Hoffe, das Buch gefällt Ihnen!

      Beste Grüße, Martin Limbeck

      Antworten

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