Unternehmerische Fehlplanung: Das Chaos an unseren Flughäfen ist hausgemacht!

Ewig lange Schlangen vor den Check-In-Schaltern, bei der Sicherheitskontrolle geht gefühlt gar nichts mehr – und ein Flug nach dem nächsten wird gecancelt. Völliges Chaos an Deutschlands Flughäfen! Besonders schlimm ist es aktuell in Köln und Düsseldorf, da NRW bereits als erstes Bundesland in die Sommerferien gestartet ist und dem Ansturm der Reisenden nicht mehr Herr wird. Was Unternehmen und Politik hier meiner Ansicht nach versäumt haben? Mehr dazu in diesem Beitrag.

Ferienreisende? Das konnte ja keiner ahnen …

Ganz ehrlich: Ich kann über das, was aktuell an unseren Flughäfen abgeht, nur den Kopf schütteln. Aktuell fehlen mehr als 7.000 Mitarbeiter am Boden, sprich für den Check-In, die Gepäckabfertigung oder auch die Sicherheitskontrollen. Und die verantwortlichen Unternehmen zucken nur mit den Schultern und jammern, dass sie einfach keine Leute finden. Und dass ja auch nicht vorherzusehen gewesen wäre, dass plötzlich so ein Bedarf sein würde. Ernsthaft? Ich bin sicherlich kein Experte auf dem Gebiet, doch selbst mir war klar, dass wir diesen Sommer eine wahre Reisewelle erleben würden. Die Menschen haben die letzten beiden Jahre so gut wie keine Möglichkeit gehabt zum Reisen, natürlich wird das jetzt nachgeholt!

Keine Frage, die Corona-Krise war keine leichte Zeit. Doch hier haben sich gerade im Luftfahrtbereich Unternehmen sehr unschön aus der Affäre gezogen. Natürlich lag die Branche zeitweise komplett am Boden. Und als Unternehmer musst du Entscheidungen treffen, um deine Company über Wasser zu halten, keine Frage. Doch das Sparen wurde für mein Empfinden an einigen Stellen übertrieben. Als Unternehmer hast du schließlich auch eine Verantwortung gegenüber deinen Mitarbeitern! Und wozu das geführt hat, merken wir jetzt.

Zufriedene Mitarbeiter sind als Unternehmer dein wichtigstes Kapital

Jetzt, wo die Jobs plötzlich wieder da sind, will sie keiner mehr machen. Nachvollziehbar, denn Corona hat vielen ehemaligen Flughafen-Mitarbeitern gezeigt, dass ihr Job weder sicher noch krisenfest ist. Sie haben sich in den letzten beiden Jahren umorientiert und sind gar nicht gewillt, zurückzukehren. Ein entscheidender Faktor sind natürlich auch die Arbeitsbedingungen. Ich bin mir sicher: Wenn die Jobs attraktiver wären durch bessere Bezahlung, mehr Sicherheiten und geregeltere Arbeitszeiten, würde es die aktuelle Situation nicht in dem Ausmaß geben, wie wir es gerade erleben.

Hier müssen sich die Unternehmen an die eigene Nase packen, weil für sie immer der Gewinn an erster Stelle stand. Die oberste Richtlinie lautete jahrelang „Fliegen muss billig und für jeden erschwinglich sein“. Das hat zwar für immer weiter steigende Passagierzahlen und Umsätze gesorgt – gleichzeitig jedoch auch zur Ausbeutung des Bodenpersonals. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Rechnung nicht mehr aufgeht. Hier muss sich jetzt dringend etwas ändern. Ich bin absolut dafür, dass Arbeit fair be- und entlohnt werden muss. Wenn das bedeutet, dass die Ticketpreise steigen – bitte. Das ist die logische Konsequenz. Fliegen muss meiner Ansicht nach nicht günstig sein, zum Wohl der Mitarbeiter und auch des Klimas.

Leiharbeiter statt bessere Arbeitsbedingungen

Doch was passiert? Anstatt auf ehemalige Mitarbeiter oder Arbeitsuchende zuzugehen und ihnen entsprechende Angebote zu machen, suchen die verantwortlichen Unternehmen Hilfe bei der Regierung. Und die zaubert den nächsten Knaller aus dem Hut: „Wir ermöglichen, dass die Unternehmen Hilfskräfte aus dem Ausland, vor allem aus der Türkei, einsetzen können“, so Bundesinnenministerin Nancy Faeser.

Ich habe meinen Ohren nicht getraut, als ich das gehört habe. Laut Arbeitsminister Hubertus Heil ginge es konkret um einige Tausend Arbeitskräfte, die an den Flughäfen in der Türkei derzeit nicht gebraucht würden. Eingestellt werden sollen sie von den am Flughafen tätigen Unternehmen selbst. Und damit sie ihre Arbeit „schnell“ aufnehmen können, sollen zeitnah die passenden Voraussetzungen geschaffen werden mit entsprechend befristeten Einreise- und Arbeitserlaubnissen sowie Aufenthaltstiteln.

Willkommen in der Dodokratie

Was für ein bürokratischer Wahnsinn! Ich bin mir sicher, dass das definitiv nicht „schnell“ gehen wird. Es wird Wochen dauern, bevor die ersten türkischen Arbeitskräfte überhaupt ins Land kommen. Und bis sie dann an den Flughäfen mitanpacken, werden weitere Wochen vergehen. Denn um zum Beispiel im Bereich der Sicherheitskontrolle arbeiten zu dürfen, muss erst eine Überprüfung der Person durch Bund und Länder erfolgen. Die dauert laut dem Vorsitzenden der Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, vier bis sechs Wochen. Ernsthaft? Wenn ihr mich fragt, ist das eine weitere traurige Posse unserer Dodokratie. Bis etwas geschieht, haben wir vermutlich Herbst.

Natürlich weiß ich, dass das alles nicht so leicht ist. Doch kann nicht zumindest ein Teil der offenen Stellen mit Arbeitslosen aus unserem Land besetzt werden? Um im Sicherheitsdienst arbeiten zu können, braucht es eine längere Schulung, schon klar. Doch mir kann keiner erzählen, dass du die auch brauchst, um Koffer zu verladen. Oder um die Mülleimer im Flughafen zu leeren. Die Abflughalle in Düsseldorf glich in den letzten Tagen einem Schlachtfeld. Warum? Weil auch den beauftragten Reinigungsfirmen die Mitarbeiter fehlen. Natürlich ist das keine schöne Arbeit, sondern körperlich anstrengend. Doch auch die muss gemacht werden. Wir haben aktuell 2.363.000 arbeitslos gemeldete Menschen in unserem Land. Und es ist nicht möglich, knapp über 7.000 offene Stellen an den Flughäfen zu besetzen? Das ist wirklich traurig. Anstatt die Chance zu ergreifen, etwas zu leisten und anzupacken, wird sich lieber weiter auf Hartz IV ausgeruht.

Der nächste Streik ist nur eine Frage der Zeit

Und ich befürchte, dass das, was wir aktuell erleben, noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird. Denn die Gewerkschaften stehen bereits in den Startlöchern. Natürlich hat die Arbeitslast für die verbliebenen Beschäftigten enorm zugenommen. Mehr Lohn für das Bodenpersonal ist richtig und wichtig. Doch wenn ver.di die Lufthansa-Mitarbeiter jetzt allen Ernstes noch zum Streik anstachelt, ist das absolut unsolidarisch. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 30. Juni angesetzt, gefordert wird eine Gehaltserhöhung von 9,5 Prozent für die rund 20.000 Lufthansa-Mitarbeiter am Boden. Ich bin gespannt, was passieren wird. Aus Unternehmersicht sind diese Forderungen schon kühn mit Blick auf die gestiegenen Kerosinpreise und die damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken. Doch einfach alles abblocken, darf auch keine Lösung sein. Ich hoffe, dass die Parteien einen Mittelweg finden werden, denn ein Streik zum jetzigen Zeitpunkt würde den Flugverkehr in Deutschland wahrscheinlich so gut wie zum Erliegen bringen. Und damit ist niemandem geholfen.

Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Euer Martin

 

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Frank Nöbel
    30. Juni 2022 22:00

    Wunderschön geschrieben, war doch in der Gastronomie genauso, dafür steigt die Anzahl der AN bei Bund und Land weiter und auch dort geht nichts voran, siehe online Zugangsgesetz
    Mal sehen wie lange das noch so weiter läuft

    Antworten
    • Martin Limbeck
      1. Juli 2022 11:08

      Hallo Herr Nöbel,

      danke für Ihr Feedback! Sehr richtig, in anderen Branchen läuft es genauso, während der Apparat der Bürokratie immer größer wird …

      Antworten
  • Assad Assadi
    7. Juli 2022 12:27

    Chapeau Herr Limbeck,

    ich kann Ihren Worten nur zustimmen!

    Es ist nicht das erste und auch nicht das letzte (teuere!) Bürokratiemonster, die sich die verantwortlichen aus dem Hut zaubern. Statt nachhaltige Lösungen anzubieten und an das Verantwortungsbewusstsein bei den Unternehmensführungen zu appellieren werden populistische Schnellschüsse als das Allheilmittel präsentiert. Die Touristik- und Gastrobranche sind hier Paradebeispiele.

    Das traurige wird sein, dass sicher daraus nicht gelernt werden wird. Bei der nächster Krise kommen die gleichen Rezepte auf dem Tisch. Aktionismus statt Weitsicht.

    Umso klüger ist es sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht auf andere zu verlassen. D.h. selbst unternehmerisch aktiv zu werden, wenn auch nur nebenberuflich.

    Antworten

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